Wozu gibt es die Anamnesegruppe?

Es ist aber nicht möglich, die Realität zu beobachten, ohne sie zu verändern. Wir sind ein Teil der Natur, und wenn wir die Natur studieren, dann führt kein Weg daran vorbei, dass sich die Natur selbst studiert (G. Zukav, 1981)

"Die Anamnesegruppe" ist eine studentische Initiative, um interessierten MedizinstudentInnen aller Semester bzw. Psychologie- und PädagogikstudentInnen das Erstgespräch mit der/dem Patientin/en (Anamnesegespräch) näherzubringen. Eine Gruppe, bestehend aus 8-12 TeilnehmerInnen und 2 studentischen TutorInnen, trifft sich einmal pro Woche am Abend (=3 Semesterwochenstunden) auf den verschiedenen Kliniken des LKH. Der Abend beginnt mit einem Anamnesegespräch, das ein/e Freiwillige/r aus der Gruppe mit einer/em PatientIn der entsprechenden Klinik führt, während die anderen Gruppenmitglieder zuhören. Nach Beendigung des Gesprächs und in der Regel einer kurzen Pause findet eine Nachbesprechung ohne PatientIn statt, in der die/der Gesprächsführende ein Feedback von der Gruppe erhält und anschließend über verschiedenste Themen ausgehend von der/dem PatientIn und ihrer/seiner Krankheit diskutiert wird.

Die Anrechenbarkeit:
Die Anamnesegruppe ist eine Lehrveranstaltung der Univ. Klinik für medizinische Psychologie und Psychotherapie im Ausmaß von drei Semesterwochenstunden:
  • Im Rahmen des neuen Curriculums wird die Teilnahme an der Anamnesegruppe als freies Wahlfach anerkannt. Eine Anrechenbarkeit ist für zwei Semester gegeben, wobei eine Teilnahme auch über mehrere Semester möglich ist.
  • Im alten Studienplan gilt die Anamnesegruppe - bei einer Teilnahme über mindestens zwei Semester - als vertiefte Ausbildung.

Die Anamnesegruppe bietet die Möglichkeit, das Gespräch mit PatientInnen zu üben, eine Beziehung zu ihnen und ihrer Persönlichkeit herzustellen, sowie unsere eigene Wahrnehmung für angesprochene und nicht angesprochene Themen zu schärfen. Ausgehend vom biopsychosozialen Modell kann Krankheit als Prozess verstanden werden, in dem Gefühle und Emotionen, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt entstehen und nicht entsprechend verarbeitet und in die Persönlichkeit integriert werden können, abhängig von der individuellen Konstitution als körperliche Symptome manifest werden. Es stellt eine Ergänzung zur klinisch-diagnostischen Anamnese dar, die im Studium erlernt wird.