Beipackzettel für die Anamnesegruppe

Eine Teilnehmerin hat folgenden Beipackzettel für die Anamnesegruppe als Abschlussarbeit verfasst. Das wollen wir euch nicht vorenthalten.... :-)

 

Anamnesegruppe retard - Gebrauchsinformation für den/die AnwenderIn


1. Was ist Anamnesegruppe und wofür wird sie angewendet?

Die Anamnesegruppe ist eine von engangierten MedizinstudentInnen gegründete Institution. Sie können sich hier in einem von Vertrauen und Reflektion getragenen Setting der Verfeinerung ihrer "social Scills" widmen und das Patientengespräch üben. Die Anamnesegruppe hilft ihnen, wertvolle Praxiserfahrung in ihrem Studium zu sammeln. Zusätzlich erhalten sie Reflektionen durch anderer TeilnehmerInnen und die Möglichkeit einer professionellen therapeutische Supervision.


Besonders ratsam ist es "Anamnesegruppe" dann einzunehmen, wenn sie

...denken ohnedies alles alleine machen zu können. Und das sowieso am Besten (maligner Solipsismus).

...finden dass Patienten lästige Monster sind die Ihnen Angst machen - was sie aber niemals zugeben  würden.

...sich wundern warum sie in ihrem Studium mehr Leichen als lebende Patienten gesehen haben.

...irgendwo das dunkle Gefühl haben dass ein Gespräch genauso viel sagen kann wie ein Röntgenbild.

...sie schon immer wissen wollten ob "Patientenblitz" ein umgangssprachliches Wort für "Defibrillator" ist.


2. Was müssen sie vor der Anwendung von "Anamnesegruppe" beachten?


Anamnesegruppe darf nicht angewendet werden

...wenn sie unbedingt 700 Seiten von irgendetwas Kleingedrucktem auswendig lernen möchten.

...wenn sie mindestens bei jedem Treffen einen halbstündigen Test machen möchten.

...wenn sie kein Interesse daran haben eventuell resistent erscheinende Vorurteile zu entkräften.


Ansonsten ist Anamnesegruppe absolut unbedenklich. Anamnesegruppe wurde bereits an zahlreichen MedizinstudentInnen getestet, durchwegs mit positivem Ergebnis. Keiner von Ihnen bekam Hautausschläge, Juckreiz, Schüttelfrost oder sonst irgendetwas furchtbar Schlimmes. Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu dürfen, dass niemand bisher an Anamnesegruppe verstorben ist.


3. Anwendung von Anamnesegruppe und andere Lehrveranstaltungen?

Anamnesegruppe ist sehr gut verträglich mit allen anderen Disziplinen ihrer Studienrichtung. Anamnesegruppe entfaltet ihre Wirkung unabhängig, an welchem Punkt ihrer Ausbildung sie sich gerade befinden. Auch wenn sie sich mit besonders bösartigen Wirkstoffen wie "Anatomie" oder "Pathologie" oder "Interne" konfrontiert sehen, so erhöht Anamnesegruppe die Verträglichkeit dieser Substanzen. Anamnesegruppe hilft ihnen Erfahrungen zu machen, die ihrer Vorstellung von einer praxisnahen Ausbildung gerechnet werden. Anamnesegruppe gibt ihnen die Möglichkeit, mit lebenden PatientInnen zu sprechen, die ihnen vielleicht sogar plötzlich interssanter vorkommen als Statistiken. Es ist sehr wahrscheinlich dass sie durch Anamnesegruppe ihre Ausbildung als sinnvoller und schöner erleben. In der Regel entfaltet Anamnesegruppe diesen positiven Effekt schon ab der ersten Einnahme.


4. Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Anamnesegruppe erhöht ihr Aufmerksamkeit und Sensibilität. Es kann vorkommen, dass sie nach der Einnahme von Anamnesegruppe bemerken, dass sie mehr als sonst oder sogar anders denken. Das sollte sie nicht beunruhigen. Die Fremdartigkeit dieses Gefühls kann erfahrungsgemäß problemlos in ihr Selbstbild integriert werden und wird ihnen somit bald angenehm und vertraut erscheinen.


5. Wie ist Anamnesegruppe anzuwenden?

Falls von ihren ModeratorInnen nicht anders verordnet ist die übliche Dosis 1x Anamnesegruppe/Woche.

Die Einnahme erstreckt sich über mindestens ein Semester (sie können Anamnesegruppe jederzeit absetzen, wir empfehlen jedoch sich von der positiven Wirkung überzeugen zu lassen) und kann beliebig lang fortgesetzt werden.


Gewöhnungseffekte an Anamnesegruppe sind bekannt aber unbedenlich. Es kann passieren, dass sie Anamnesegruppe nicht mehr in ihrem Leben missen möchten. Bei einem solchen Effekt können sie entweder selbst ModeratorIn von Anamnesegruppe werden, oder die anhand von Anamnesegruppe erworbenen Benefits jederzeit in ihrer weiteren Laufbahn umsetzen. Es besteht keine Notwendigkeit sich von Anamnesegruppe zu entwöhnen. Lassen sie sich nicht davon überzeugen dass ein "geiles CT Gerät" oder "mal ordentlich reinschneiden" die Wirkung von Anamnesegruppe ersetzen könnte.


Wenn sie die Anwendung von Anamnesegruppe vergessen haben

Sie können die Einnahme von Anamnesegruppe 2x im Semester "vergessen", es könnte aber sein dass sie dann von einem tiefen Gefühl der Reue und des "etwas entscheidendes und sinnvolles versäumt zu haben" heimgesucht werden. Nehmen sie dann Anamnesegruppe einfach so bald als möglich wieder ein, und alles wird gut. Wenn sie Anamnesegruppe doch ein weiteres Mal vergessen sollten, so können sie das durch ein zusätzlich geführtes Protokoll oder in Härtefällen mittels einer Kiste Bier wieder gut machen. Setzen sie dann die Einnahme von Anamnesegruppe wie gewohnt fort.


Setzen sie Anamnesegruppe wenn möglich nicht abrupt und ohne Rücksprache mit dem/der ModeratorIn ihres Vertrauens ab.


6. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Häufig: mehr Freude am Studium, interessante Einblicke in andere Gesichtspunkte und Perspektiven, der Erwerb neuer und wertvoller Informationen über die Möglichkeiten der Anamneseführung, Selbsterkenntnis durch Reflektion in einem respektvollen Setting, interessante Gespräche und nette Kontakte zu KollegInnen, unverkrampfter Umgang mit PatientInnen, der biopsychosoziale "Aha-Effekt".

Gelegentlich: Nervosität vor den Anamnesegesprächen, vermehrtes Nachdenken über das Erlebte, leichtes Insuffizienzgefühl weil man das Protokoll schon wieder nicht mitgebracht hat, bösartiges Zuspätkommen (ungeplant).

Selten: anfängliche Müdigkeit nach einem langen Tag die aber auch schnell wieder vergeht, Pausendauerkonflikte.

Sehr selten: akute Weltverbesseritis (schlägt in der Regel bald in gesunden Enthusiasmus um).